Noch im Frühjahr sprach die Branche von einem Kartoffelmarkt unter Überangebotsstress. Ein halbes Jahr später sieht die Lage anders aus: Hitze und Trockenheit haben die Ernte 2026 deutlich verkleinert, und die Kartoffelpreise sind auf allen Stufen gestiegen – beim Erzeuger kräftig, im Laden spürbar. Dieser Beitrag fasst die aktuellen Zahlen zusammen (Stand: Ende Oktober 2026).
1. Rückblick: Ein Markt im Überangebot
Die große Ernte 2025 hatte den Markt bis weit in das Jahr 2026 hinein unter Druck gesetzt. Laut einer Marktanalyse von Commodity Board Europe vom Juli 2026 lagen die Preise für freie Verarbeitungskartoffeln in der EU zeitweise nur bei 0 bis 2 € je 100 kg; zu Jahresbeginn wurden für Spotmengen teils gar keine Fabrikpreise mehr gezahlt. Als Gründe nennt die Analyse die großen Ernten 2025, die schwache Nachfrage der Verarbeiter sowie großzügige Verträge in Kombination mit gutem Wetter und hohen Erträgen. Die Verarbeiter reagierten mit niedrigeren Vertragspreisen für die Ernte 2026, die Anbauer mit weniger Fläche: Die NEPG schätzte die Speisekartoffelfläche 2026 rund 11 % niedriger.
Schon damals wies die Analyse auf das Wetter als größtes Risiko hin – frühe Hitze in Mittel- und Osteuropa und mögliche Trockenheit mit kleineren Knollen.
2. Die Ernte 2026: ein Viertel weniger
Genau dieses Risiko ist eingetreten. Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts (Destatis) vom 15. Oktober 2026 werden in Deutschland 2026 rund 10,4 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet – 24,8 % weniger als im Vorjahr (13,9 Millionen Tonnen).
Zwei Effekte kommen zusammen:
- Weniger Fläche: Die Anbaufläche sank um 11,1 % auf 268 300 Hektar (2025: 301 800 Hektar).
- Geringere Erträge: Erwartet werden 38,9 Tonnen je Hektar nach 46,0 Tonnen im Vorjahr, ein Minus von 15,4 %. Hauptgrund dürften laut Destatis die extreme Hitze und Trockenheit des Sommers sein.
Knapp wird es in Deutschland trotzdem nicht: Der Selbstversorgungsgrad lag laut BLE im Wirtschaftsjahr 2024/25 bei 145 %. Ein großer Teil der Kartoffeln wird exportiert – entsprechend reagieren die Preise auf die europäische Marktlage, nicht nur auf die deutsche Ernte.
3. Erzeugerpreise: stärkster Anstieg seit 2023
Die kleinere Ernte schlägt sich vor allem bei den Erzeugern nieder. Die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln lagen im August 2026 um 61,5 % über dem Vorjahresmonat – der stärkste Anstieg seit August 2023 (damals +114,6 %). Zum Vergleich: Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte insgesamt sanken im selben Zeitraum um 7,0 %.
Der Preisindex von Destatis zeigt, wie abrupt der Umschwung kam. Von Herbst 2025 bis zum Frühsommer 2026 lag der Index für Speisekartoffeln fast unverändert zwischen 80 und 85 Punkten. Im Juli 2026 stieg er auf 93,2, im August sprang er auf 179,9 Punkte – fast eine Verdopplung innerhalb eines Monats. Zur Einordnung: Im Juni 2024 stand derselbe Index bei 368 Punkten. Die Preise sind also deutlich gestiegen, liegen aber weit unter den Rekordwerten von 2024.
4. Aktuelle Kartoffelpreise in Bayern und Schleswig-Holstein
Wie sieht es Ende Oktober aus? Die regionalen Marktberichte zeigen ein ruhiges, festes Bild.
Bayern (Bayerischer Bauernverband, Erzeugerpreise zum 20.10.2026, € je 100 kg, waschfähige lose Ware, ohne MwSt., vor Abzug von Aufbereitung und Sortierung, frei Erfassungshandel):
| Sorte | Spanne | Mittel | Mittel Vorwoche |
|---|---|---|---|
| festkochend | 28,00–33,00 | 30,20 | 29,60 |
| vorwiegend festkochend | 28,00–33,00 | 30,10 | 29,40 |
| mehlig | 28,00–33,00 | 29,80 | 28,80 |
Für Frittenrohstoff (360 g UWG, 40 mm+) werden ab Station 23,50 bis 28,00 € je 100 kg gezahlt, für sonstige Verarbeitungskartoffeln (z. B. Kloßteig) 19,00 bis 20,00 € – beides unverändert zur Vorwoche. Der Absatz war laut BBV eher ruhig, für Speisekartoffeln wurden zum Teil erste Lageraufschläge gezahlt.
Schleswig-Holstein (Landwirtschaftskammer, 44. Woche, 26.10. bis 01.11.2026):
| Sorte | Erzeugerpreis lose, ab Rampe (€/dt) | Großhandel abgepackt (€/dt) |
|---|---|---|
| festkochend | 26,00–28,00 | 40,00–49,00 |
| vorwiegend festkochend | 25,00–27,00 | 39,00–48,00 |
Im Laden zahlen Verbraucher in Schleswig-Holstein für lose Ware 1,69 bis 2,79 € je kg, für den 2,5-kg-Beutel 2,69 bis 4,49 € und für den 10-kg-Sack 8,99 bis 16,99 €. Bundesweit verteuerten sich Kartoffeln für Verbraucher im September 2026 um 11,3 % gegenüber dem Vorjahr. Tiefgefrorene Pommes frites wurden dagegen 4,7 % günstiger – hier wirkt noch der günstige Rohstoff aus dem Überangebot nach.
5. Ausblick: stabil bis leicht steigend
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein erwartet für die kommenden Wochen gleichbleibende bis leicht steigende Erzeugerpreise. Die Ernte ist abgeschlossen, frische Ware kommt nur noch begrenzt an den Markt. Gleichzeitig steigt der Absatz von Lagerware, die bereits zu schwitzen begonnen hat; dafür werden Lageraufschläge von bis zu 5 €/dt erzielt. Bei Verarbeitungskartoffeln rechnet die Kammer mit stabilen Preisen, Überschussmengen werden zügig abgenommen.
Die Qualität beschreiben die Erzeuger als gut bis sehr gut – allerdings mit auffällig wenigen großen Knollen. Das passt zum Trockenjahr und ist für die Vermarktung entscheidend.
6. Was das für die Vermarktung bedeutet
Wenn die Menge knapp und der Preis hoch ist, zählt jede vermarktbare Tonne. Drei Punkte werden in dieser Saison wichtiger als in einem Überangebotsjahr:
- Weniger gute Ware verwerfen. Bei 30 € je 100 kg kostet jede zu großzügig aussortierte Kartoffel bares Geld. Eine Sortierung, die Defekte genau erkennt und einwandfreie Knollen im Gutstrom lässt, wirkt sich direkt auf den Erlös aus.
- Lagerware im Blick behalten. Wer auf Lageraufschläge setzt, muss Fäulnis und Beschädigungen konsequent herausholen, bevor sie sich im Lager ausbreiten – und vor der Auslagerung erneut sortieren.
- Qualität dokumentieren. Bei wenig Übergrößen und festen Preisen entscheiden gleichmäßige Partien darüber, welcher Betrieb seine Ware zuerst und zum besseren Preis absetzt.
Genau hier setzen optische Sortiermaschinen an. Die Karevo Duo85 und Trio110 erkennen per KI Grünfärbung, Fäulnis, mechanische Beschädigungen, Drahtwurmlöcher, Wachstumsrisse und Schorf sowie Fremdkörper wie Steine und Kluten – mit einer Erkennungsgenauigkeit von rund 95 % und bei 5 bzw. 10 Tonnen pro Stunde. Wie die Erkennung im Detail funktioniert, zeigt unsere Seite zur KI-Erkennung.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026). Niedrigere Ernte und deutliche Preisanstiege bei Kartoffeln. Pressemitteilung Nr. N070 vom 15. Oktober 2026. destatis.de
- Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026). Preisindizes zu Kartoffeln (Verbraucherpreise Kartoffeln, Erzeugerpreise Speisekartoffeln, monatlich). destatis.de
- Bayerischer Bauernverband (2026). Kartoffelpreise, Marktbericht vom 21.10.2026. bayerischerbauernverband.de
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (2026). Kartoffelpreise, 44. Woche. lksh.de
- Commodity Board Europe (2026). Kartoffelmarkt 2026: Vom Überangebotsstress zum strategischen Neustart, 2. Juli 2026. commodity-board.com