Wer im Supermarkt vor dem Kartoffelregal steht, erwartet meist ein perfektes Bild: saubere, glatte und makellose Knollen. Der Lebensmitteleinzelhandel stellt extrem hohe Anforderungen an die äußere Qualität von gewaschenen Speisekartoffeln, insbesondere bei Kleingebinden. Doch wie genau wird eigentlich entschieden, welche Kartoffel „gut genug" für den Verkauf ist? Ein Blick auf die Kriterien, Matriken und Defektbilder der Kartoffel-Qualitätsprüfung.
1. Die Grundkriterien: Was macht eine gute Speisekartoffel aus?
Bevor es an die optische Sortierung geht, müssen agronomische und kulinarische Grundanforderungen erfüllt sein. Wie Diepenbrock et al. (2016) in ihrer Übersicht verdeutlichen, stehen bei Speisekartoffeln Geschmack und Kocheigenschaften im Vordergrund, die stark durch die Sortenwahl und Düngung (P und K) bestimmt werden. Weiterhin entscheidend sind eine einheitliche Größe und Form (Sortierung meist >30 mm), eine gute Schälbarkeit durch eine möglichst flache Augenlage sowie das strikte Fehlen von Ergrünung und Schorf.
Die internationale Basis für die Vermarktung bildet die UNECE-Norm FFV-52. Sie schreibt vor, dass Speisekartoffeln ein sortentypisches Aussehen haben müssen, ganz, gesund, praktisch sauber und fest sein sollen. Für Speisekartoffeln gilt hier eine Mindestgröße von 35 × 35 mm im Quadratmaß (bzw. 28 × 28 mm bei Frühkartoffeln). In Deutschland spielen zudem die Berliner Vereinbarungen eine zentrale Rolle. Sie definieren die nationalen Deutschen Kartoffelgeschäftsbedingungen und fungieren nach dem Wegfall der gesetzlichen Handelsklassenverordnung als freiwillige, aber maßgebliche Richtlinie für den Handel.
2. Typische Defektbilder: Wer fliegt raus?
Trotz bester Pflege wächst im Boden nicht jede Knolle perfekt. Eine Untersuchung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zeigte, dass im Durchschnitt etwa 11,5 % des Rohwarengewichts aufgrund äußerer Mängel für den Frischmarkt ungeeignet sind und aussortiert werden müssen. Die häufigsten Defektbilder sind dabei:
- Ergrünte Knollen: Mit 58 % aller Nennungen der absolute Spitzenreiter bei den Mängeln. Die UNECE-Norm toleriert einen hellgrünen Anflug auf maximal 1/8 der Knollenoberfläche.
- Mechanische Beschädigungen: Machen 17 % der aussortierten Ware aus. Risse, Schnitt- und Druckstellen dürfen laut UNECE-Norm nicht tiefer als 4 mm sein.
- Krankheiten: Pusteln durch den Pilz Rhizoctonia solani (17 %) sowie gewöhnlicher Schorf (10 %) führen ebenfalls häufig zur Aussortierung. Tiefschorf wird ab 2 mm Tiefe zum Ausschlusskriterium.
Während die Beurteilungen oft noch visuell von Qualitätsprüfern durchgeführt werden, geht der Trend ganz klar in Richtung opto-elektronischer Auswertung. Hierbei scannen Kamerasysteme die gewaschene Ware vollautomatisch ab, zählen dunkle Verfärbungen, messen die Flächen von Mängeln und sortieren die Kartoffeln objektiv nach vorher definierten Parametern in die entsprechende Qualitätsstufe ein.
Genau an diesem Punkt unterstützt in der Praxis beispielsweise die Duo85 von Karevo den Sortierprozess. Als modernes opto-elektronisches System scannt die Duo85 die Kartoffeln im Durchlauf, erkennt mithilfe intelligenter Kameratechnik zielsicher äußere Defekte, Formabweichungen oder unerwünschte Verfärbungen und automatisiert somit die sonst fehleranfällige visuelle Kontrolle. Die Anlage schleust mangelhafte Knollen in Echtzeit aus und stellt sicher, dass die Ware objektiv den geforderten Qualitätsmatriken entspricht.
Fazit
Hinter der simplen Speisekartoffel im Supermarktregal verbirgt sich ein strenges Netz aus agronomischer Planung, internationalen Normen und präzisen optischen Bewertungsmetriken.
Literatur
- Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Kartoffelwirtschaft (Hrsg.). (2011). Themenbibliothek Kartoffel. Deutsche Kartoffelgeschäftsbedingungen: Berliner Vereinbarungen 1956; in der Fassung vom 9. Dezember 2010. Agrimedia-Verl.
- Diepenbrock, W., Ellmer, F. & Léon, J. (2016). Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung: 68 Zeichnungen, 21 Fotos, 103 Tabellen (4., überarbeitete Auflage). UTB: Bd. 2629. Verlag Eugen Ulmer.
- LfL – Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft. (2010). Beurteilung der äußeren Qualität von Speisekartoffeln anhand von Vergleichsfotografien. LfL-Information.
- UNECE. (2017). UNECE-NORM FFV-52 für die Vermarktung und Qualitätskontrolle von Speisefrüh- und Speisekartoffeln. Vereinte Nationen.