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Heiße Zeiten für die Knolle: Wie der Klimawandel den Kartoffelanbau in Europa verändert

Die Kartoffel ist aus der europäischen und insbesondere der deutschen Küche nicht wegzudenken. Doch unsere geliebte Knolle steht unter Druck: Der Klimawandel macht dem Kartoffelanbau zunehmend zu schaffen. Bereits heute spüren über 90 % der befragten Landwirte in Deutschland, Österreich und der Schweiz die direkten Auswirkungen der veränderten klimatischen Bedingungen auf ihre Produktion.

Aber wie genau wirkt sich der Klimawandel auf die Kartoffel aus? Ein Blick auf die Produktion, Krankheiten und Erträge zeigt, vor welchen Herausforderungen die Landwirtschaft steht.

1. Auswirkungen auf Produktion und Erträge

Kartoffeln bevorzugen eigentlich ein gemäßigtes Klima mit optimalen Durchschnittstemperaturen zwischen 18 und 20 °C. Sie sind stark anfällig für Hitze- und Trockenstress. Steigen die Temperaturen während der Wachstumsphase über 25 °C, stellt die Pflanze die Knollenbildung ein und steckt ihre Energie stattdessen in das Blattwachstum. Temperaturen von über 30 °C gelten als kritischer Grenzwert, der das Wachstum massiv hemmt.

Für Deutschland wird prognostiziert, dass die Kartoffelerträge ohne Anpassungsmaßnahmen bis zum Jahr 2050 bei einem starken Emissionsszenario (RCP 8.5) um drastische 18 % einbrechen könnten. Zwar kann künstliche Bewässerung diese Ertragsverluste um gut die Hälfte (ca. 54 %) abfedern, doch das Potenzial der Bewässerung ist begrenzt, da sie die extremen Lufttemperaturen nicht vollständig neutralisieren kann und Wasser zunehmend zu einer knappen Ressource wird.

Neben Hitze und Dürre bereiten paradoxerweise auch Starkregenereignisse und Sturzfluten Probleme. Diese führen zu Bodenerosion und Staunässe, was das Wurzelwachstum und die Nährstoffaufnahme behindert sowie Pflanz- und Erntearbeiten auf den aufgeweichten Feldern verzögert. Langfristig könnte sich der Kartoffelanbau in Europa geografisch verschieben: Während Süd- und Mitteleuropa zunehmend unter Hitze und Dürre leiden, könnten nördlichere Regionen durch längere, frostfreie Wachstumsperioden sogar profitieren.

2. Zunahme von Krankheiten und Schädlingen

Ein wärmeres Klima bietet nicht nur der Kartoffel, sondern auch ihren natürlichen Feinden längere Wachstumsphasen. Längere Sommer und mildere Winter ermöglichen es Schädlingen wie dem Kartoffelkäfer oder Drahtwürmern (Larven von Schnellkäfern), mehr Fortpflanzungszyklen pro Jahr zu durchlaufen und ihre geografische Verbreitung auszudehnen.

Zusätzlich begünstigen klimatische Wetterextreme und Hitzestress die Ausbreitung von Pilzerkrankungen wie der Dürrfleckenkrankheit (Alternaria) oder der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) sowie bakterielle Infektionen wie Stolbur. Und auch nach der Ernte geht der Kampf weiter: Durch heißere Sommer und wärmere Temperaturen im Herbst und Winter wird die Lagerung der Kartoffeln immer schwieriger und teurer. Die Knollen brechen ihre Keimruhe früher ab und beginnen vorzeitig zu sprießen.

3. Wie kann sich die Landwirtschaft anpassen?

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind Anpassungsstrategien zwingend erforderlich. Europäische Landwirte setzen bereits auf die Züchtung und den Anbau neuer, angepasster Kartoffelsorten, die eine höhere Ertragsstabilität sowie bessere Hitze-, Dürre- und Krankheitsresistenzen aufweisen. Zudem werden Pflanz- und Erntezeitpunkte verschoben und wassersparende sowie effizientere Bewässerungsmethoden implementiert.

Literatur

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  • Egerer, S., Fajardo Puente, A., Peichl, M., Rakovec, O., Samaniego, L., & Schneider, U. A. (2023). Limited potential of irrigation to prevent potato yield losses in Germany under climate change. Agricultural Systems, 207, 103633.
  • Goffart, J.-P., Haverkort, A., Storey, M., Haase, N., Martin, M., Lebrun, P., Ryckmans, D., Florins, D., & Demeulemeester, K. (2022). Potato Production in Northwestern Europe (Germany, France, the Netherlands, United Kingdom, Belgium): Characteristics, Issues, Challenges and Opportunities. Potato Research, 65, 503–547.
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